Ein See aus Flüssiggas

Der Traum eines jeden Energiepolitikers:Ein Treibstoffsee, dessen Inhalt man nur leerpumen muss. Schade nur, dass er sich auf dem Südpol des Saturnmodes Titan befindet und man deshalb nicht so schnell an ihn heran kommt - mal abgesehen von der Wirtschaftlichkeit einer solchen Unternehmung. 20.000 Quadratkilometer groß soll das Gewässer sein. Das es bei uns regnet und aus den entstehenden Rinnsalen reißende Sturzbäche werden, die schließlich in Seen müden ist für uns ein bekannter Vorgang. Aber auch nur auf der Erde. Dass es sowas außerhalb unseres Planeten gibt, ist uns neu.

Die Raumsonde "Cassini"

Zu verdanken haben wir diese Entdeckung der Raumsonde "Cassini". Sie flog im Zeitraum von Oktober 2005 bis Mai 2007 19 Mal am Titan vorbei. Das flüssige Ethan vermischt sich nach Überzeugung der Forscher mit Methan und anderen leichten Kohlenwasserstoffen aus der Familie der Alkane. Flüssiger Stickstoff sei ebenso dabei. Zu diesem Schluss sind sie gekommen, nachdem sie Infrarotaufnahmen der Raumsonde ausgewertet haben. Somit haben sich die seit den 1970er Jahren gemachten theoretischen Überlegungen bewahrheitet. Bevor die Infrarotaufnahmen entstanden, gab es schon Radarwellen, die die Titanatmosphäre ungehindert durchdringen konnten und von großen, flachen Arealen auf der Planetenoberfläche zeugten. Die dichte Atmosphäre aus Stickstoff und Wolken aus Kohlenstoff machen eine Beobachtung der Oberfläche für die Infrarotkamera schwierig. In wenigen Beobachtungsfenstern, in denen die Atmosphäre aufgrund von schmalen Wellenlängenbereichen fast durchsichtig war, konnte dies gelingen, Die Bilder legten die molekulare Signatur des Ethan frei. Weil man weiß, dass auf dem Titan Temperaturen von ca. -180 Grad herrschen, weiß man gleichzeitig, dass das Gas in flüssiger Form vorliegen muss. Weil der See dem Ontariosee zwischen den USA und Kanada gleicht, erhielt er den Namen Ontario Lacus.

Unterirdischer Ozean in Titan

Als wenn die Erkenntnisse um den Flüssiggassee nicht schon erstaunlich genug wären, haben die Forscher festgestellt, dass es auf dem Titan wahrscheinlich einen unterirdischen Ozean gibt. Damit wäre eine Voraussetzung für Leben vorhanden. Radarmessungen der Rotation des Titan haben zu der Vermutung geführt, dass es sich um einen unterirdischen See handeln muss. Erstaunlich auch, dass der Trabant, Dünen, Seen, Kanäle und Berge hat. Somit hat er die erdähnlichste Oberfläche im Sonnensystem.