Gazprom auf dem Vormarsch

Der russische Staatskonzern kauft weltweit im großen Stil die Gasvorräte auf. Für die Europäer schrumpfen damit die Ausweichsmöglichkeiten. Muammar al-Gaddafi liegt ein Angebot vom Gazprom-Chef Alexej Miller vor, welches von dem Aufkauf der gesamten libyschen Erdgas- und Erdölexporte zum Marktpreis ohne Nachlässe handelt. Noch hat der Staatschef nicht auf das Angebot reagiert. Vielleicht,weil er sich nicht von einem einzigen Abnehmer abhängig machen will und das Für und Wider gegeneinander abwägt. Gazprom-Sprecher Sergei Kuprijanow verkündete trotzdem schon mal vollmundig, dass die Lieferungen aus Libyen am Jahresende starten würden.

Europas beginnende Abhängigkeit

Für Europa wäre ein Eingehen des libyschen Diktators auf das Angebot fatal, versucht es sich doch vor der Abhängigkeit von Gazprom zu schützen. Die Gaseigenproduktion der EU wird sich bis 2020 halbiert haben. Egal, ob in Nordafrika oder Zentralasien, überall, wo die Europäer anklopfen wollen, haben die Russen bereits den Fuß in der Tür. Die EU-Staaten wollen verhindern, dass es Ihnen so ergeht wie Weisrussland und der Ukraine, die bereits zu spüren bekamen, wie es ist, wenn Gazprom den Hahn zudreht. Schon jetzt stammen ca. 40% der EU-Gasimporte vom russischen Staatskonzern.

Das russische Vorgehen

Weil die Gründung einer Gas-Opec bisher misslang, kaufen die Russen einfach alle Ressourcen auf, um sich die Macht zu sichern. Europas drittgrößter Gaslieferant, Algerien, weitet seit 2006 seine Zusammenarbeit mit Gazprom aus. Nigeria,das eine Pipeline in Richtung Europa bauen will, bekam von den Russen angeboten, alle Angebote von anderen Wettbewerbern um eine Pipelinebeteiligung überbieten zu wollen. Die im März 2007 beim Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs geplanten Vorhaben, künftig nur noch mit einer Stimme in Energiefragen sprechen zu wollen, ist bis jetzt nichts geworden. Aus der Nabucco-Pipeline wird eventuell nichts. Sie soll Gas von zentralasiatischen Feldern liefern und Russland umgehen. Mit Kasachstan und Turkmenistan hat Putin ein Vertrag zum Bau einer Pipeline nach Südrussland unterschrieben. Im Juli diesen Jahres reiste Staatspräsident Medwedjew nach Aserbaidschan und bot der Regierung für ihr Gas europäische Preise sowie die Unterstützung im Konflikt mit Armenien an.Die europäischen Staaten gehen nicht geschlossen vor, was Gasprom einen Vorteil verschafft und die Europäer bald politisch erpressbar macht.