Unternehmen Nordstream
In anderthalb Jahren soll von Wyborgnach Greifswald die Pipeline von Nordstream verlegt werden. Ein Jahr darauf soll dann durch das erste von zwei 1,2 Meter dicken Stahlrohren das Gas die Strecke von 1.220 km zurück legen. In einer Kompressionsstation wird mit 220 Bar Druck das Ergas auf die Reise geschickt. 27,5 Milliarden Kubikmeter werden es jährlich sein, die den Besitzer wechseln.
Vor Ort
So ganz wohl ist den Europäer nicht dabei, begibt es sich doch immer mehr in die Abhängigkeit der Russen. In Bezug auf Nordstream kommen ökologische Bedenken hinzu. Deutschland bezieht bereits 40% seiner Gasimporte aus Russland. Im russischen Wyborg beschert allein die Kompessionsanlage der Region 500 gut bezahlte Arbeisplätze. Der übermächtige Konzern Gasprom zeigte sich spendabel und schenkte der Stadt ein Schwimmbad sowie eine Sporthalle. Weil die Anlage Strom braucht, bekommen nun auch die abgelegenen Höfe Versorgung mit Elektrizität. Gazprom kann man als ein Motor Russland bezeichnen. Ein Viertel aller Staatseinnahmen ist ihm zu verdanken, seine 400.000 Angestellten profitieren von dessen Krankenhäusern, Supermärkten, Fitnisstudios und der Hauseigenen Bank.
Verlauf der Pipeline
Das Gas kommt zunächst aus dem sibirischen Juschnoje Russkoje, darauf folgend von der Halbinsel Jamal und dem Schtonkiman-Feld in der Barentsee. Arbeit und Urlaub wechseln monatlich, ansonsten würde es keiner der Angestellten dort aushalten. Für alle Felder müssen natürlich neue Trasse gebaut, der Boden aufgerissen und Wälder abgeholzt werden. Auf der Ostsee werden auf einem Spezialschiff die Rohre aneinander geschweißt und auf dem Meeresgrund verlegt. Drei Kilometer am Tag schafft so ein Schiff. Weil dabei finnische, schwedische, dänische und deutsche Gewässer durchkreuzt werden, muss Gazprom erst noch einen Hindernislauf durch die einzelnen Parlamente und Fachbehörden absolvieren. Sowas kennt der russische Staatkonzern selbstverständlich zu Hause nicht.
Politik von Gazprom
Um nicht gleich mit dem bedrohlich wirkenden Gazprom identifiziert zu werden, hat sich die Pipelinefirma im schweizerischen Zug mit Kanzler a.D. Schröder als Aufsichtsratvorsitzenden niedergelassen. Was wieder nicht unbedingt gut ankommt, wenn man vor der Abwahl als Kanzler den Bau mit dem russischen Präsidenten beschlossen hat. Das Russland anfang des Jahres 2006 der Ukraine für kurze Zeit den Gashahn zudrehte, war für den Westen nicht gerade eine vertrauenserweckende Maßnahme.